Gepostet von am Jul 12, 2014 in Glas/Keramik, Startseite_Dia, Texte | Keine Kommentare

 

„Wer das Buch der Natur
kennenlernen will,
muss mit den Füßen
über seine Blätter laufen.“
(Paracelsus)

„Ich lobe meine Wiese, sie ist groß und unabsehbar geräumig, wenn ich bäuchlings in ihr liege, und den ganzen hohen Himmel habe ich über mir. Ich sehe Halme vor meinen Augen, die haarigen Schäfte des Günsels, das fadendünne Gespinst der Miere auf dem Moos, und ich kann mir gut denken, wie weitläufig und abenteuerlich das Leben in diesem Wald der Gräser sein mag ….“
(Karl Heinrich Waggerl, aus: „Lob der Wiese“)

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Auf meinen täglichen Spaziergängen am Stadtrand bemerke ich, dass es solche Sommerwiesen nur mehr selten gibt. Alles ist zwar sehr grün, die Vielfältigkeit der Gräserarten hat sich jedoch reduziert. Es dominiert nur mehr eine spinatgrüne Sorte mit „Einheits-Gras-Büscheln“, vielleicht mit ein wenig Löwenzahn und Gänseblümchen. Disteln jedoch, Salbei, Königskerzen und Unkräuter dürfen nur mehr auf den Gstetten blühen. Die Gründe hierfür mögen vielfältig sein…

Vor einigen Wochen startete ich ein „Gräser-Projekt“, verteilte mehrere Samensäckchen von „Wilddblumen“, „Bienentraum“, „Schmetterlingswiesen“ auf einer Gstettten und in meinem Blumentrog auf dem Balkon.

Die Pflänzchen auf der Gstetten wurden inzwischen von professionellen Rasenmähern geschnitten, in meinem Blumentrog hingegen wuchern gewaltige Einheits-Unkraut-Pflanzen …:).

 

„… muss mit den Füßen über seine Blätter laufen …“

Es war immer ein stiller Kampf mit den Erwachsenen, ob wir Kinder bei der Kirschenernte im späteren Frühjahr schon barfuß laufen durften. Dies war erst in jenen Monaten erlaubt, deren Namen kein „R“ enthielt. Rote Kirschenflecken auf den Füßen erhöhten die Besonderheit des Barfußgehens im weichen jungen Gras ganz entscheidend. Die Blumenpracht und den Duft der Maiwiesen möchte ich auch heute nicht missen!

Im Sommer blieb ein Wiesenstück ungemäß, das hohe Gras mit seinen Blüten und Kräutern wucherte zu einem ansehnlichen Dickicht, in dem wir ein Wigwam bauten. Dort waren nur Gräsergeruch und Käfer, Schmetterlinge und eine Blindschleiche, Feldmäuse und darüber die hellen Sommerwolken. Nach dem Mähen wurde das Heu auf einen Leiterwagen verladen, wir Kinder thronten ganz oben auf der schwankenden Fuhre, wenn sie durchs Dorf nach Hause gezogen wurde.

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Später war es nicht mehr selbstverständlich, barfuß die Wiesen zu ergehen. Vielleicht minderten Bequemlichkeit oder Scheu, sich die Füße erdig zu machen, den unbedenklichen und selbstverständlichen Umgang mit der Natur …

Derzeit werden allseits Barfußpfade und Wildblumenwiesen angelegt, auf Kinderspielplätzen in hundefreien Zonen, in Seniorenheimen, sogar mitten auf viel befahrenen Kreuzungen habe ich sie entdeckt – im dichten Verkehr waren sie voller Schmetterlinge!

„Wer die Natur nicht begreift, und nur bewundert, ist ein Fremdling in ihr …“ (Karl Heinrich Waggerl)       

So manche dieser Eindrücke und Geschichten sind beim Formen der keramischen „Wiesen-Bilder“ lebendig geworden.

Mit der Ton-Erde, die ja in der Natur draußen der Boden für die herrlichen Wiesen ist, wollte ich die Strukturen, Farbtöne und Sinneseindrücke von Wiesen gestalten, selber „begreifen“ und für andere „begreifbar“ machen: dies mit all ihrer Lebendigkeit und Fröhlichkeit, die einen erfassen kann, wenn man barfuß durch die Gräser geht …

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